Die Kirche in Zaue
Die Marienkirche in Zaue – Ein historisches Kleinod am Schwielochsee
Als Czaw wird das Dorf im Jahr 1346 erstmals erwähnt. Der sich aus dem Slawischen ableitende Name beschreibt einen Ort, an dem es Eulen gibt.
Die Marienkirche in Zaue ist ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst und barocker Ausstattung, das Besucher*innen mit seiner Atmosphäre und Geschichte in den Bann zieht. Die Kirche, die am Westufer des Schwielochsees liegt, entstand ursprünglich als einfacher Saalbau. Der mächtige Feldsteinturm mit seinen bis zu 1,60 Meter dicken Mauern vermittelt innen und außen den Eindruck einer wehrhaften Anlage – mit schmalen, schießschartenähnlichen Fenstern, die jedoch nicht der Verteidigung dienten.
Die ältesten urkundlichen Hinweise auf eine Kirche in Zaue stammen aus dem Jahr 1346, doch dendrochronologische Untersuchungen von Holz aus dem Altarraum deuten darauf hin, dass hier bereits im frühen 13. Jahrhundert eine hölzerne Kirche stand. Damit gehört die Marienkirche zu den ältesten Sakralbauten der Region.
Architektur und Baugeschichte
Der imposante Feldsteinturm mit seinem querliegenden Satteldach wirkt wie ein wuchtiger Westgiebel vor dem Kirchengebäude. Er zeugt von der Bedeutung der Kirche in früheren Zeiten – nicht nur als Pfarrkirche für Zaue, sondern auch für die umliegenden Dörfer Ressen, Goyatz, Guhlen und Jessern. Eine historische Bronzeglocke mit der Inschrift „Marie hilf“ stammt vermutlich aus der Zeit um 1350.
Innenraum – Kunst und Glauben sichtbar gemacht
Im Inneren überrascht die Kirche mit einer nahezu vollständigen barocken Ausstattung, die vor etwa 250 Jahren in die Kirche gekommen ist. Besonders bemerkenswert sind die fast lebensgroßen Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert, die biblische Geschichten erzählen: von der Schöpfung, dem Sündenfall über die Passionsgeschichte bis hin zur Himmelfahrt Christi. Diese Bilder dienten früher als „stumme Predigt“, um auch Menschen, die nicht lesen konnten, den Glauben nahe zu bringen. Denn während des Gottesdienstes standen die Gläubigen in der ursprünglich leeren Kirche und konnten sich so während der Predigt die Bilder betrachten.
Eine Besonderheit ist die aus Lindenholz geschnitzte Madonna aus der Zeit um 1420, die zur Gruppe der sogenannten „Schönen Madonnen“ gehört, die vor allem in Böhmen und Schlesien verbreitet waren.
Neben den religiösen Darstellungen finden sich auch bäuerliche Motive, wie eine Malerei einer Bäuerin, deren geschlossene Augen den Teufel nicht bemerkt, der ihr die Butter verdirbt – möglicherweise die bildliche Umsetzung eines alten Sprichworts. Auf der gegenüberliegenden Nordwand verbirgt sich in gleicher Manier der Teufel im Gewand einer Kuh vor einem Betenden.
Ausstattung und Besonderheiten
Im Zentrum der Kirche steht ein großer, runder Taufstein aus dem 15. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit kamen verschiedene Arten der Taufe hinzu: eine Messingschale aus dem Jahr 1670 und ein barocker Taufengel, der von der Decke schwebt und den Täufling mit Wasser aus einer Muschelschale benetzt. So kann man in Zaue gleich drei verschiedene Formen der Taufe erleben.
Der barocke Kanzelkorb zeigt das Wappen der Familie von der Schulenburg, die lange Zeit Kirchenpatronen waren, flankiert von Engelsskulpturen und gekrönt vom sächsischen Adler. Die farbenfroh bemalte Empore trägt Bibelsprüche und beherbergt die Orgel.
Die Orgel – Klangvolles Herzstück der Kirche
Die Orgel der Marienkirche wurde 1987 von der Orgelbaufirma Sauer aus Frankfurt/Oder eingebaut. Sie befindet sich auf der Westempore in einem historischen Gehäuse, das harmonisch in die barocke Ausstattung der Kirche eingebettet ist. Mit ihrem klaren, warmen Klang bereichert die Orgel Gottesdienste, Konzerte und andere kirchliche Veranstaltungen und trägt wesentlich zur besonderen Atmosphäre in der Marienkirche bei.
Ein Ort der Geschichte und Begegnung
Die Marienkirche Zaue ist ein ganz besonderes Kleinod, das zwei bedeutende historische Phasen vereint: das mittelalterliche Äußere mit seiner beeindruckenden Ausmalung und die barocke Innenausstattung, die die emotionale Frömmigkeit vergangener Jahrhunderte erlebbar macht. Besucher*innen können hier nicht nur Kunst und Architektur bewundern, sondern auch einen Ort spüren, an dem Glaube und Gemeinschaft seit Jahrhunderten lebendig sind.
Das Pfarrhaus als Teil des Denkmalensembles
Unmittelbar neben der Kirche steht das Pfarrhaus, das als Teil des geschützten Denkmalensembles gemeinsam mit der Kirche und dem zugehörigen Wirtschaftsgebäude geführt wird. Der imposante Bau prägt das historische Ortsbild und wird als Pfarrwohnung, Pfarramt und Pilgerherberge genutzt. Dadurch bleibt die traditionelle Funktion des Ensembles bis in die Gegenwart lebendig.
Die Kirche ist Mitglied der Initiative „Offene Kirche“ und von Mitte April bis Ende Oktober täglich geöffnet.



